IMG 1933 webHeute ist der 8. März – Weltfrauentag

Was bedeutet dieser Tag für Frauen, heute, weltweit?
Die Antwort fällt so verschieden aus, wie es Frauen und Länder auf der Welt gibt…
Noch vor knapp zwei Wochen sagte ich zu meiner Mutter: „Wie dankbar bin ich, dass ich hier, in Europa, und nicht etwa in Indien geboren wurde!“ Denn selbst im Jahr 2018 ist es noch ein sehr weiter Weg bis hin zur Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann in Indien! Immer noch werden Frauen in Indien diskriminiert, unterdrückt, misshandelt, versklavt, missbraucht, als Kind zwangsverheiratet, ausgebeutet, vergewaltigt, getötet…, ohne juristische Folgen für die Täter. Diese traurige Liste scheint endlos, jedenfalls zeugt sie von schmerzvoller Ungerechtigkeit und zeigt die dramatische Situation von Indiens Frauen.

„Männerüberschuss im Subkontinent - Indien fehlen 63 Millionen Frauen “
So titelte im Januar 2018 t-online.de1. Tatsächlich ist die Zahl der Männer und Frauen in Indien weiterhin im statistischen Ungleichgewicht: Berechnungen der Regierung zufolge fehlen über das gesamte Land hinweg 63 Millionen Frauen. Das verzerrte Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen kommt vor allem durch geschlechtsspezifische Abtreibungen, eine bessere medizinische Versorgung sowie eine bessere Ernährung der Jungen gegenüber den Mädchen. Wirtschaftswissenschaftler Arvind Subramanian, Autor der Statistik, findet, Indien müsse „die gesellschaftliche Präferenz von Jungen konfrontieren“.1 Das Land scheint jedoch noch nicht dazu bereit zu sein, ganz im Gegenteil. Der steigende Wohlstand habe die Bevorzugung nicht beendet, sondern in vergleichsweise reichen Gegenden - z.B. Neu Delhi - sei es über die Jahre hinweg sogar schlechter geworden.

Der Vorzug von Jungen gegenüber Mädchen bleibt in der indischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Geburt eines Jungen wird gefeiert. Kommt ein Mädchen zur Welt, schämt sich die Familie. Warum? Mädchen sind eine gewaltige ökonomische Belastung für die Familie. Wenn sie später heiraten, brauchen sie eine Mitgift und die Hochzeitsfeier, die traditionsgemäß die Familie der Braut ausrichtet, kostet viel Geld. „Ein Mädchen großzuziehen ist wie Nachbars Garten zu bewässern“ lautet ein indisches Sprichwort. Mit einem Jungen hingegen bekommt die Familie später eine Frau, also eine weitere Arbeitskraft, sowie eine Mitgift ins Haus.

IMG 1746 webMassive Proteste
Die Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin am 16. Dezember 2012 in Delhi schockierte die ganze Welt. Sie war gleichzeitig der Auslöser für massenhafte Proteste indischer Frauen. Denn das Verbrechen war leider kein Einzelfall, wie bereits oben erläutert wurde. Wenigstens sind die Medien, seit diesem dramatischen Vorfall, der um die Welt ging, aufmerksamer auf die Situation der Frauen in Indien geworden.

Die Ungleichheit zwischen Mädchen und Jungen beginnt ja bereits vor der Geburt…wie die obengenannten Zahlen eindeutig zeigen. Der Sohn wächst als kostbarer Prinz auf, verhätschelt von der Mutter, geprägt vom autoritären Vater, während die Tochter eine Art „Gebrauchsgut“ ist, das weitergereicht wird und zudem „kostspielig“ ist. „So wie indische Männer aufwachsen“, bemerkt Urvashi Butalia, eine der führenden Frauenrechtlerinnen die 1984 den ersten feministischen Verlag in ihrem Land gegründet hat, „werden sie nie wirklich Männer, sie bleiben immer Jungen.“2 Dass diese jungen Männer auf die Idee kommen können, dass man sich einfach nehmen darf, was man haben will, ist also kein reiner Zufall.

Der Schlüssel zur Veränderung
Jede gesellschaftliche Veränderung braucht Zeit. Sicher ist, dass die indische Frau „im Aufbruch“ ist. Die Inderinnen gehen auf die Straßen, sie demonstrieren gegen die Ungleichheit. Sie schreien ihre Wut hinaus und schweigen nicht mehr. Die Zahl der Anzeigen wegen sexueller Übergriffe nimmt zu. Gesetze werden verschärft. Frauenbewegungen wie die Gulabi-Gang mit ihrer „Pink Sari Revolution“, die sich für mehr Gerechtigkeit gegenüber Frauen einsetzt machen weltweit auf die Situation der indischen Frau aufmerksam.

gulabi gang officialDiese Bewegung wurde 2006 von Sampat Pal Devi, Tochter eines Hirten, Angehörige der untersten Kaste und Mutter von fünf Kindern, gegründet. Sie lehrt die Frauen offen mit ihren Ehemännern zu sprechen. Ein Kampftraining im Umgang mit einem Stock verleiht zusätzliche Selbstsicherheit. Die charismatische Anführerin der Gang musste schon als kleines Mädchen auf dem Feld arbeiten, während ihr Bruder die Schule besuchen durfte. Mit zwölf Jahren wurde sie an einen 23-jährigen Mann zwangsverheiratet. Am eigenen Leib hat sie erlebt, was sie heute mit ihren Frauen in Pink bekämpft.

Hunderte von Frauen in pinkfarbenen Saris kämpfen mit Worten und Stockschlägen für ihre Rechte und gegen Korruption im Bundesstaat Uttar Pradesh. Trainiert in der traditionellen Stockkampfkunst Lathi patrouilliert die weibliche Garde in den Dörfern. Sie halten Kinderhochzeiten auf, verteidigen Frauen gegen gewalttätige Ehemänner und zwingen Polizisten dazu, Vergewaltiger zu verhaften. In Uttar Pradesh können 80 Prozent der Frauen nicht lesen und schreiben. Zum Schweigen und Gehorchen in der zutiefst patriarchalen Gesellschaft verurteilt, entdecken die Frauen in der Gulabi Gang ein neues Selbstbewusstsein. Gemeinsam verschaffen sie sich Gehör.3 Über ihre Hauptziele und vieles mehr informieren sie auf ihrer Webseite: www.gulabigangofficial.in.

Vielleicht weniger bekannt ist „Blank Noise“, eine indische Bewegung, auch bekannt als „Action Heroes“, die sich einsetzt, um sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt auszurotten, und ein freies und sicheres öffentliches Umfeld für Frauen zu schaffen. Das Kunstprojekt „I never asked for it“ („Danach habe ich nie gefragt“) besteht darin, die Kleider der Opfer sexueller Belästigungen in verschiedenen Städten zu sammeln und dort auszustellen, wo Gesprächsgruppen sich treffen oder andere Aktivitäten stattfinden (www.blanknoise.org). „Aktionen wie diese beschuldigen endlich die Täter!“ freut sich Sameera Khan, eine in Mumbai arbeitende Journalistin.4

Nicht nur heute am Weltfrauentag ermutigen wir Indiens Frauen, ihren nicht einfachen Weg weiterhin so unerschrocken zu beschreiten!

1http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_83143738/maennerueberschuss-indien-fehlen-63-millionen-frauen.html
2 http://www.zeit.de/2014/25/vergewaltigung-indien-gewalt-frauen
3 https://www.planet-schule.de/sf/filme-online.php?reihe=1090&film=8387
4 Magazine Femmes Ici et Ailleurs #24 (mars 2018)



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